{"id":2514,"date":"2023-10-26T10:02:00","date_gmt":"2023-10-26T10:02:00","guid":{"rendered":"https:\/\/fe-kiel.de\/?p=2514"},"modified":"2026-07-29T10:06:02","modified_gmt":"2026-07-29T10:06:02","slug":"interdisziplinaeres-team-moechte-korrosionsschutz-fuer-offshore-windparks-entwickeln","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/fe-kiel.de\/en\/interdisziplinaeres-team-moechte-korrosionsschutz-fuer-offshore-windparks-entwickeln\/","title":{"rendered":"Interdisziplin\u00e4res Team m\u00f6chte Korrosionsschutz f\u00fcr Offshore-Windparks entwickeln"},"content":{"rendered":"<p class=\"wp-block-paragraph\"><em>Mikrobiell beeinflusste Eisenkorrosion im maritimen Industriesektor verursacht nach neuesten Sch\u00e4tzungen allein in Deutschland j\u00e4hrlich Sch\u00e4den in Milliardenh\u00f6he. Expert*innen erwarten, dass die Zahl solcher Sch\u00e4den durch die globale Erw\u00e4rmung noch deutlich zunehmen wird. Besonders betroffen sind Offshore-Windparks, und bislang ist kein wirkungsvoller und zugleich umweltvertr\u00e4glicher Schutz bekannt. Die Fachhochschule (FH) Kiel und das GEOMAR Helmholtz-Zentrum f\u00fcr Ozeanforschung Kiel wollen mit Industriepartnern einen wirksamen Schutz gegen mikrobielle Eisenkorrosion im Offshore-Bereich entwickeln. Das Bundesministerium f\u00fcr Wirtschaft und Klimaschutz f\u00f6rdert das auf drei Jahre ausgelegte Verbundprojekt \u201eMiCorFe\u201c mit mehr als 1.000.000 Euro.<\/em><a href=\"https:\/\/archiv.fh-kiel-gmbh.de\/files\/aktuelles\/Bilder\/micorfe_gruppenbild.jpg\"><\/a><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Mikrobiell beeinflusste Eisenkorrosion (kurz MIC, engl. Microbiologically Influenced Corrosion) ist in der maritimen Wirtschaft ein weit verbreitetes und bekanntes Problem. Sie betrifft insbesondere Gr\u00fcndungsstrukturen von Windkraftanlagen. Diese Gr\u00fcndungsstrukturen, auch Monopiles genannt, sind hohle zylindrische Pf\u00e4hle aus Stahl, die in den Meeresboden gerammt werden. Das dabei im Monopile verbleibende Meerwasser steht nach der Gr\u00fcndung nur noch eingeschr\u00e4nkt im Austausch mit der Umgebung. Dieser Einschluss hat Folgen f\u00fcr die biochemische Zusammensetzung des Wassers: Durch mikrobielle Aktivit\u00e4ten k\u00f6nnen sich im unteren Bereich sauerstofffreie Zonen ausdehnen und giftiger Schwefelwasserstoff entsteht. Dies sind ideale Bedingungen f\u00fcr s\u00e4urebildende, sulfat- und metall-reduzierende Bakterien, die die Biokorrosion beschleunigen k\u00f6nnen. Ein probates Gegenmittel gibt es auf hoher See nicht: Trocknungsverfahren und regelm\u00e4\u00dfige mechanische Reinigungen sind nicht praktikabel, der Einsatz von Bioziden w\u00fcrde die Meeresfauna sch\u00e4digen.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><strong>Beteiligte Mikroorganismen m\u00fcssen zun\u00e4chst identifiziert werden<\/strong><\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Deswegen sucht das interdisziplin\u00e4re Projektteam \u201eMiCorFe\u201c einen anderen Ansatz, erkl\u00e4rt Prof. Dr. Mirjam Perner. Die Geomikrobiologin vom GEOMAR Helmholtz-Zentrum f\u00fcr Ozeanforschung Kiel m\u00f6chte die speziell an dieser Biokorrosion beteiligten Mikroorganismen identifizieren und neue, praktikable und umweltvertr\u00e4gliche Strategien f\u00fcr deren Hemmung entwickeln. \u201eMit dem Wissen um die geochemische Dynamik im Inneren eines Monopiles und \u00fcber die Aktivit\u00e4ten der an der MIC beteiligten Organismen k\u00f6nnen wir die Auswahl neuer Werkstoffmodifikationen und Beschichtungen unterst\u00fctzen. Durch vergleichende Untersuchungen wollen wir M\u00f6glichkeiten zur Hemmung der MIC bewerten\u201c, erl\u00e4utert Perner.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><strong>Forschungsplattform vor Sylt dient als Reallabor<\/strong><\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">F\u00fcr Untersuchungen unter realen Bedingungen nutzt das Forschungsteam die 80 Kilometer vor Sylt gelegene Forschungsplattform FINO3. Sie wurde 2009 als Monopile auf einer Wassertiefe von 22 Metern in feinem Sand gegr\u00fcndet. \u201eDie Korrosions-Situation im Inneren des Monopiles ist bisher nahezu unbekannt, da keine Tauchg\u00e4nge in seinem Inneren m\u00f6glich sind\u201c, erkl\u00e4rt Projektleiterin Prof. Dr.-Ing. Jana Schloesser von der FH Kiel. \u201eDaher werden wir als erstes die Bedingungen vor Ort analysieren, indem wir Wasserproben in unterschiedlicher Tiefe nehmen, spezielle Sensorik nutzen und Korrosionsversuche im Inneren der Gr\u00fcndungsstruktur durchf\u00fchren.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Schloessers Hauptaugenmerk liegt auf der Korrosionsanalyse und m\u00f6glichen elektrochemischen Schutzma\u00dfnahmen wie Beschichtungen. Sie wird zun\u00e4chst die Anf\u00e4lligkeit des \u00fcblicherweise verwendeten Monopile-Stahls untersuchen. Hierf\u00fcr nutzt sie Langzeitversuche mit Baustahl in verschiedenen Tiefenhorizonten innerhalb des Monopiles und unter simulierten Laborbedingungen. Dar\u00fcber hinaus wird die Expertin f\u00fcr Werkstoffe und Oberfl\u00e4chen optimierte St\u00e4hle und unterschiedliche Beschichtungen erproben.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><strong>Interdisziplinarit\u00e4t als Erfolgsfaktor<\/strong><\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Pr\u00fcfk\u00f6rper stellt der Projektpartner Krebs Korrosionsschutz GmbH zur Verf\u00fcgung. Das Unternehmen mit Sitz in Rostock bringt seine Erfahrung im Bereich des Korrosionsschutzes ein. Von der interdisziplin\u00e4ren Zusammenarbeit erhofft sich Entwicklungsingenieur Christian Niepel Erkenntnisse f\u00fcr die Entwicklung neuer Beschichtungswerkstoffe und -methoden. \u201eDie im Projekt gewonnenen Ergebnisse werden wir innerhalb der Abteilung \u201aForschung &amp; Entwicklung\u2018 analysieren, interpretieren und in die laufende Produktion \u00fcbertragen. Unser Ziel ist, die Lebensdauer von Monopiles zu verl\u00e4ngern und somit nachhaltigere Energie im Offshore-Bereich zu produzieren.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der vierte Projektpartner, die J\u00f6rss \u2013 Blunck \u2013 Ordemann GmbH (JBO), steuert seine Expertise in der Planung und Instandhaltung von Windenergieparks bei. Das Hamburger Planungs- und Ingenieurb\u00fcro verantwortet die rechnerische Simulation der Lebensdauer korrodierter St\u00e4hle, erkl\u00e4rt Gerrit Haake, Forschungs-und Entwicklungsleiter bei JBO. \u201eDurch Lochfra\u00df unter Beschichtungssch\u00e4den kann es zu einer Schw\u00e4chung der Struktur und in der Folge zu Rissbildung kommen. Von der FH Kiel erhalten wir die genaue Geometrie der korrodierten Proben. Am PC berechnen wir damit den Rissfortschritt mit bruchmechanischen Rechenmodellen und wie sich die Korrosion auf die Lebensdauer auswirkt.\u201c<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><strong>FH Kiel und GEOMAR erg\u00e4nzen sich ideal<\/strong><\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">\u201eEine Besonderheit unseres Konzepts\u201c, betont Projektleiterin Schloesser, \u201eist die interdisziplin\u00e4re enge Zusammenarbeit von Mikrobiologinnen, Geochemikern, Materialwissenschaftlerinnen und Ingenieuren sowie deren unterschiedliche Expertisen. Ich bin zuversichtlich, dass es uns gelingen wird, neue Beschichtungswerkstoffe und -methoden zu entwickeln, die die Betriebs- und Lebensdauer von Offshore-Windenenergieanlagen verl\u00e4ngern. Dadurch k\u00f6nnen zuk\u00fcnftig Ressourcen eingespart und die Stromversorgung nachhaltiger gestaltet werden.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">F\u00fcr die Fachhochschule Kiel und das GEOMAR Helmholtz-Zentrum f\u00fcr Ozeanforschung Kiel ist es nicht die erste Zusammenarbeit. In der Vergangenheit haben die beiden Wissenschaftseinrichtungen beispielsweise gemeinsam an Tauchrobotern gearbeitet und portable Fischobservatorien entwickelt. \u201eWir erg\u00e4nzen uns in vielerlei Hinsicht ideal\u201c, erkl\u00e4rt FH-Kiel-Pr\u00e4sident Prof. Dr. Bj\u00f6rn Christensen. \u201eVor allem unsere anwendungs- und transferorientierte ingenieurwissenschaftliche Forschung kann dazu beitragen, das GEOMAR bei der Umsetzung seiner Forschungsprojekte zu unterst\u00fctzen.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">\u201eDie Expertise der Fachhochschule ist eine Bereicherung f\u00fcr die Forschung des GEOMAR\u201c, best\u00e4tigt Prof. Dr. Katja Matthes, Direktorin des GEOMAR Helmholtz-Zentrums f\u00fcr Ozeanforschung Kiel. \u201eDurch den vollst\u00e4ndigen Umzug des GEOMAR auf den Seefischmarkt k\u00f6nnen unsere Institutionen zuk\u00fcnftig noch enger im Wissenschaftsquartier Schwentinem\u00fcndung zusammenr\u00fccken. Das verbessert die Voraussetzungen f\u00fcr eine erfolgreiche Zusammenarbeit nochmals.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><em>Verantwortlich f\u00fcr diesen Pressetext: Frauke Sch\u00e4fer | Pressestelle Fachhochschule Kiel | Tel. 0431 210-1020 | E-Mail: frauke.schaefer@fh-kiel.de | Internet: www.fh-kiel.de<\/em><\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Mikrobiell beeinflusste Eisenkorrosion im maritimen Industriesektor verursacht nach neuesten Sch\u00e4tzungen allein in Deutschland j\u00e4hrlich Sch\u00e4den in Milliardenh\u00f6he. Expert*innen erwarten, dass die Zahl solcher Sch\u00e4den durch die globale Erw\u00e4rmung noch deutlich zunehmen wird. Besonders betroffen sind Offshore-Windparks, und bislang ist kein wirkungsvoller und zugleich umweltvertr\u00e4glicher Schutz bekannt. 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